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Der folgende Artikel erschien zuerst in:
Der Einzige. Vierteljahresschrift des Max-Stirner-Archivs Leipzig, Nr. 3 (11), 3. August 2000, S. 17-24

Den Bann brechen ! - Max Stirner redivivus

Wider Marx, Nietzsche et al.
Eine Ermutigung anlässlich zweier mutloser Neuerscheinungen (*)
Teil 1: Über Marx und die Marxforschung

von Bernd A. Laska


Einleitung
1. Karl Marx
1.1 Max Adler
1.2 Henri Arvon
1.3 Wolfgang Essbach
1.4 Daniel Joubert

Teil 2:
»Stirner - Nietzsche - Nietzscheforschung«



Einleitung

Wenn heute jemand allen Ernstes davon spricht, Marx oder Nietzsche hätten Stirner -- in welchem Sinn auch immer -- überwunden, so hat er sich damit in den Augen der meisten professionellen Philosophen wie auch der meisten sonstigen einschlägig Gebildeten diskreditiert: es wäre zu viel der Ehre für einen kuriosen Autor wie Stirner, wenn man sage, dass epochenprägende Geister wie Marx und Nietzsche eine solche quantité négligeable  überhaupt je ernsthaft beachtet hätten. Gewiss, es gibt von Marx einen voluminösen, als Manuskript überlieferten Anti-Stirner; aber der, so meint man einhellig, verdanke seine Existenz eher einer übermütigen Laune des jungen Marx und sei nicht weiter ernst zu nehmen. Und Nietzsche? Er mag von Stirner gehört, vielleicht gar einen Blick in dessen »Einzigen« geworfen haben; von einem nennenswerten Einfluss könne aber wirklich keine Rede sein; und gar zu "überwinden" habe es bei Stirner gewiss weder für Marx noch für Nietzsche noch für sonstwen irgendetwas gegeben.

Wer auf Grund eigener Lektüre Stirners einen anderen Eindruck von dessen Ideen gewonnen hat und seiner eigenen Urteilskraft so weit vertraut, dass er sich durch jene in den philosophischen Text-, Lehr- und Geschichtsbüchern -- meist implizit durch das Ignorieren Stirners -- quasi kanonisierte Meinung nicht davon abhalten lässt, der Sache weiter nachzugehen, der wird überraschende Entdeckungen machen: nämlich, dass erstens eine Reihe grosser Denker -- von Feuerbach und Marx über Nietzsche und Husserl bis zu Adorno und Habermas -- sehr wohl von Stirners »Einzigem« stark beeindruckt waren, und dass zweitens die Zeugnisse davon vorwiegend in unveröffentlichten Aufzeichnungen zu finden sind. Gerade prominente und ansonsten durchaus publikationsfreudige Denker haben es in der Regel vermieden, sich öffentlich mit den sie meist in jungen Jahren tief beunruhigenden Gedanken Stirners auseinanderzusetzen. (1).

Es gibt einen sehr dauerhaften, nie erklärten und nicht ohne weiteres erklärlichen Bann gegen Stirner. Das heisst nicht, dass über Stirner nicht öffentlich geredet und geschrieben wurde und wird. Im Gegenteil: es gibt inzwischen erstaunlich viele Bücher und Artikel über Stirner, wahrscheinlich deutlich mehr als über seine sehr viel schreibfreudigeren Zeitgenossen Ludwig Feuerbach oder Bruno Bauer. Für die Literatur über Stirner ist jedoch charakteristisch, dass die meisten Autoren seiner Kernidee ausweichen und so stets aufs Neue die bekannten Stirner-Klischees -- Junghegelianer, Anarchist, Egomane, Nihilist u.ä. -- befestigen. Deshalb blieb Stirner letztlich doch ein "Paria des Geistes", einer, der trotz vieler Worte nicht wirklich berührt wurde, einer, dessen gedankliche differentia specifica  nach wie vor kaum begriffen ist, kaum je ernsthaft zu begreifen versucht wurde.

Das klingt gewaltig hoch gegriffen und insbesondere für die nüchternen, skeptischen Geister, die hier in erster Linie gefragt sind, ziemlich unglaubwürdig. Stirner als ein mehr oder weniger bedeutsamer Vorläufer -- z.B. des Anarchismus oder des Existentialismus, von Bakunin, Nietzsche oder Sartre -- das mag noch angehen; aber Stirner als Urheber einer originären Idee, die von vielen grossen Denkern nach ihm und von Legionen gut ausgebildeter und hauptamtlich tätiger Philosophen in mehr als 150 Jahren nicht als solche identifiziert und anerkannt wurde: das erscheint denn doch als eine Zumutung, die ernst zu nehmen schwer fällt -- und noch schwerer fällt, wenn hinzugefügt wird, dass Stirners spezifische Idee von denen, die ihren Gehalt begriffen oder zumindest erspürt hatten, sogleich abgewehrt und regelrecht verdrängt wurde (am wirksamsten von Marx und Nietzsche), erst intern, dann extern durch die massenattraktiven Philosophien, die sie als Reaktion auf Stirner schufen.

Das erscheint denn doch als nicht mehr bloss pointierte, sondern als groteske Behauptung eines exaltierten und sich masslos überschätzenden Dilettanten, die entweder als frivole Provokation gemeint oder, falls nicht, einem von Verschwörungstheorien verwirrten Hirn entsprungen ist. Warum auch sollten die vielen doch so unterschiedlichen Denker der letzten anderthalb Jahrhunderte wahrhaft "con-spiriert", warum sollten sie ohne Absprache und doch einmütig jene ominöse Idee Stirners "verdrängt" haben? Absurd! Was soll das überhaupt für eine Idee sein? Wer die Existenz einer solchen behauptet, der soll sie gefälligst, wenn sie denn in Stirners Buch nicht deutlich genug kenntlich ist, herauspräparieren und darstellen; dann gäbe es auch eine Diskussion.

Solche Skepsis ist berechtigt, ja wünschenswert, und sie könnte sogar der Entdeckung der (potentiellen) Bedeutung Stirners für die Gegenwart förderlicher sein als etwa ein -- auch das gibt es natürlich -- wacker bekennendes Stirnerianertum. Nur: jede starke Skepsis bewährt sich nun einmal nicht gegen Aussenseiter, sondern gegen das, was man neuerdings gern mainstream  zu nennen pflegt. Und gegen diesen, so turbulent und vielgestaltig er sich heute darstellt, ist gerade Stirners Skepsis nach wie vor das Mittel der Wahl.

Hier ist nicht der Ort, um die methodischen Gründe darzulegen, die mich bestimmen, Stirners spezifische Idee nicht unvermittelt inhaltlich darzustellen, sondern die singuläre Position, die Stirner ihretwegen im 19. Jahrhundert einnimmt, zunächst durch Analyse der Reaktionen auf sein Werk präzise anzupeilen. In den »Stirner-Studien«, Band 2, »Ein dauerhafter Dissident«, habe ich einen Abriss der -- wie ich sie dort nenne -- Re(pulsions- und De)zeptionsgeschichte Stirners vorgelegt; in Band 1 wird diese durch die Editionsgeschichte von Stirners »Einzigem« und in Band 3 durch eine Detailstudie zu den Reaktionen von Carl Schmitt und Ernst Jünger auf Stirner ergänzt; weitere Detailstudien, zu Marx, zu Nietzsche, sind in Vorbereitung. [2002: vgl. Nietzsches initiale Krise] Die Netzpräsenz meines "LSR-Projekts" offeriert weitere einschlägige Arbeiten sowohl zu Stirner als auch zu seinen ideengeschichtlichen "Pendants" im 18. und 20. Jahrhundert: zu La Mettrie und Reich. (siehe Überblick)

All diese Studien verfolgen das Ziel, jenen Bann, von dem ich oben sprach, trotz der erwartungsgemäss schwierigen Quellenlage unter Verzicht auf Spekulationen so plausibel wie möglich darzustellen, d.h. dieses in unserer sich "aufgeklärt" gebenden Zeit eigentlich unglaubhafte Phänomen als unbestreitbar existent zu erweisen, quasi erlebbar zu machen -- und damit Stirner von der Peripherie ins Zentrum des Interesses zu rücken. Gelingt dies, so folgt die Suche nach der -- verborgenen, oft erahnten, nie exponierten -- Idee, die einem solch universellen Bann unterworfen wurde, ganz von selbst. Ist sie gefunden, ist auch der Bann gebrochen -- zumindest für den Finder. Eine sog. Rehabilitation Stirners ist dabei sekundär.

 
1. Karl Marx

Die Reaktionen von Marx auf seinen Zeitgenossen Stirner und die Reaktionen der Marxforscher auf diese Marx'schen Reaktionen sind die vielleicht lehrreichsten Exempel, um sich dem Wesen des merkwürdigen Bannes gegen Stirner zu nähern. Ich möchte dazu hier, pointiert und dem angekündigten Band der »Stirner-Studien« vorgreifend, zunächst den Sachverhalt darstellen, wie ich ihn bereits kürzlich innerhalb eines thematisch weiter ausgreifenden Artikels [»Ein dauerhafter Dissident - Max Stirner in nuce«] zusammengefasst habe. Anschliessend werde ich drei Autoren vorstellen, die jeweils gegen den Bann angeschrieben haben (Max Adler, Henri Arvon, Wolfgang Essbach), sich ihm aber selbst letztlich nicht zu entziehen vermochten. Schliesslich werde ich kurz auf eine Neuerscheinung zu sprechen zu kommen, deren Autor (Daniel Joubert) gleichermassen im Bann gefangen blieb. Das Studium des Scheiterns dieser Autoren mag helfen, die Natur des Bannes zu erfassen und ihn schliesslich zu brechen.

Der junge Karl Marx "Karl Marx:" -- so schrieb ich in jenem Artikel -- "seine Reaktion auf Stirner verdient, wie die Nietzsches, wegen ihrer epochenprägenden Wirkung hier hervorgehoben zu werden. Marx sah noch im Sommer 1844 in Feuerbach "den einzigen, der eine wirkliche theoretische Revolution" vollbracht habe. Das Erscheinen des »Einzigen« im Oktober 1844 erschütterte diese Haltung, denn Marx erspürte sehr deutlich die Tiefe und Tragweite der Stirner'schen Kritik. Während andere, auch Engels, Stirner zunächst bewunderten, sah Marx von Beginn an in ihm einen Feind, den es zu vernichten galt.

Zunächst hatte Marx vor, eine Rezension des »Einzigen« zu schreiben. Er gab diesen Plan aber bald wieder auf, wollte erst die Reaktionen der anderen (Feuerbach, Bauer) abwarten. In seiner Polemik »Die heilige Familie. Gegen Bruno Bauer und Konsorten« (März 1845) sparte er Stirner aus. Im September 1845 erschien Feuerbachs Kritik des »Einzigen« -- und zugleich Stirners souveräne Duplik auf sie. Jetzt fühlte Marx sich provoziert, selbst einzugreifen. Er unterbrach wichtige Auftragsarbeiten und stürzte sich auf den »Einzigen«. Seine Stirner-Kritik »Sankt Max«, voller Invektiven gegen den "dürftigsten Schädel unter den Philosophen", geriet ihm länger noch als der »Einzige«. Doch nach Fertigstellung des Manuskripts muss Marx wieder in seinen taktischen Überlegungen geschwankt haben. Schliesslich blieb die Stirner-Kritik ungedruckt.

Als Ergebnis seiner privatim geführten Auseinandersetzung mit Stirner wandte Marx sich endgültig von Feuerbach ab und konzipierte eine Philosophie, die, anders als die Feuerbachs, gegen Stirner'sche Kritik immun sein sollte: den sogenannten historischen Materialismus. Marx scheint aber seine neue Theorie damals noch als Provisorium betrachtet zu haben, denn auch sie liess er, wie den »Sankt Max«, in der Schublade. Eine öffentliche Diskussion mit Stirner wollte er auf jeden Fall vermeiden. Er stürzte sich stattdessen ins politische Leben, in Fehden mit Proudhon, Lassalle, Bakunin u.a. So gelang es ihm schliesslich, das Problem "Stirner" ganz zu verdrängen -- sowohl im psychologischen als auch im ideengeschichtlichen Sinn.

Die historische Bedeutung von Marx' Verdrängungswerk wird deutlich, wenn man untersucht, wie später die Marxforscher aller Richtungen Stirner sahen und seinen Einfluss auf Marx bewerteten. Sie folgten in erstaunlich einmütiger Weise kritiklos der Darstellung, die Engels 1888 in seinem populären Buch »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie« gegeben hat. Engels erwähnt Stirner darin nur beiläufig als "Kuriosum" im "Zersetzungsprozess der Hegel'schen Schule" und feiert Feuerbach als deren Überwinder.

Diese Darstellung, obgleich chronologisch und sachlich grob falsch, wurde schnell die allgemein akzeptierte; sie blieb es auch, nachdem 1903 Marx' »Sankt Max« bekannt wurde. Die Reaktionen Marx' auf Stirners »Einzigen« sind zwar gut und detailliert belegbar, doch gibt es bis heute nur ausnahmsweise Autoren (Henri Arvon, Wolfgang Essbach), die Stirners entscheidende Rolle bei Marx' Konzeption des historischen Materialismus thematisiert haben -- und zu einer halbherzigen Rehabilitation Stirners kamen, bei der die etablierte Superiorität Marx' nicht in Frage gestellt wird. Aber selbst diese Arbeiten wurden jahrzehntelang ignoriert und werden erst seit kurzem zögerlich in spezialisierten Fachkreisen diskutiert.

Fazit: Marx' primärer Verdrängung Stirners (psychologisch und ideengeschichtlich verstanden) folgte eine sekundäre, bei der die Marxforscher jeglicher Richtung die Marx'sche primäre, aller Evidenz zum Trotz, automatisch ausblendeten (zuletzt sehr eindrucksvoll bei Louis Althusser) und sich damit auch die eigene primäre ersparten." (2)

1.1 Max Adler

Der wohl erste Autor, der sich intensiv mit dem Verhältnis Marx/Stirner befasste, war Max Adler (1873-1937). Bereits als Student, der sich der marxistischen Sozialdemokratie zugehörig fühlte, verfasste er -- ich zitiere wieder eine frühere Zusammenfassung -- "1894 eine Studie »Max Stirner. Ein Beitrag zur Feststellung des Verhältnisses von Socialismus und Individualismus« und schickte sie zur Veröffentlichung an »Die Neue Zeit«. Der Herausgeber Karl Kautsky (1854-1938) gab sie ihm zurück, mit dem Ratschlag, das Ganze noch einmal zu überdenken; schlussendlich lehnte er ohne Begründung ab, mit der sibyllinischen Bemerkung, er könne ihn, Adler, "durch Gründe nicht überzeugen." Adler verstand: da er Einfluss in der Partei ausüben wollte, musste er seine Stirner-Studien fortan privat treiben. Ein weiteres, 200 Seiten starkes Stirner-Manuskript, das er im Jahre 1900 fertigstellte, scheint er erst gar nicht zu publizieren versucht zu haben. Im "Stirnerjahr" 1906 versuchte Max Adler - offenbar wenig beeindruckt von Marx' nachgelassenem Anti-Stirner »Sankt Max«, der inzwischen, 1903/04, in längeren Auszügen publiziert worden war - noch einmal, einen Stirner-Artikel in »Die Neue Zeit« zu placieren: doch Kautsky lehnte erneut ab. Adler brachte den Artikel schliesslich in der Wiener »Arbeiter-Zeitung« unter und übernahm ihn 1914, wenig modifiziert, in seine Porträtsammlung »Wegweiser. Studien zur Geistesgeschichte des Sozialismus«.

Stirner, heisst es darin zwar anfangs, führe "eine überall glanzvolle und tief eingreifende Bekämpfung aller und jeder Ideologie" vor; aber dann geht es in einem moderaten, zurückgenommenen, ja diplomatischen Ton weiter, und in häufig wiederkehrenden Wendungen wird die Überlegenheit von Karl Marx betont - was den Leser, dem diese ja meist eine Selbstverständlichkeit ist, nur verwundern kann. An einigen Stellen dieser Schrift, die ein fast kniefälliges Plaidoyer dafür ist, Stirner von marxistischer Seite nicht gänzlich zu verdammen, lässt sich dennoch herauslesen, in welcher Rolle Adler Stirner am liebsten sehen würde: in der des (Junior-)Partners von Marx (als "psychologisches Pendant") - ein vermessen anmutender Gedanke, der jedoch 1978 von Essbach aufgegriffen und auszubauen versucht worden ist (s. später).

Adlers umfangreiche nachgelassene Schriften zeigen, dass ihm selbst eine solche theoretische Synthese keineswegs gelungen ist; sie verraten indes, dass noch der in seinem siebten Lebensjahrzehnt stehende Mann beinahe hymnisch werden konnte, wenn er über seine grosse, unglückliche theoretische Passion schreiben sollte - so im Entwurf eines Lexikonartikels über Stirner: "Aber unter dieser äusseren Schale von Harmlosigkeit und Kümmerlichkeit loderte ein Geist von solch revolutionärer Kraft des Denkens und solch leidenschaftlichen Prophetentums einer neuen Erkenntnis..."

Max Adler, der zu den führenden Theoretikern des sog. Austromarxismus gezählt wird, behandelte seine lebenslange Stirner-Faszination wie ein heimliches Laster. Selbst seine engsten Mitarbeiter erfuhren erst nach seinem Tod von ihr. Alfred Pfabigan, Adlers Biograph, zeigte sich konsterniert angesichts der erst durch die nachgelassenen Papiere zu Tage getretenen, "geistigen Beziehung Adlers zu Stirner wegen ihrer hohen Kontinuität", bei der über vier Jahrzehnte hinweg kaum eine Weiterentwicklung stattgefunden habe. Doch auch Pfabigan vermag keine befriedigende Deutung dieses biographischen Kuriosums zu geben, wahrscheinlich, weil er selbst, wie Adler, das übermächtige Dogma nicht anzutasten wagt: wonach Marx ein ganz grosser Denker war und Stirner allenfalls ein kleiner." (3)

1.2 Henri Arvon

[Juni 2011: siehe auch Der Stirnerforscher Henri Arvon | (Bibliographie)]

Auch nachdem das Marx/Engels/Hess'sche Konvolut »Die Deutsche Ideologie« 1932 erstmals vollständig und kommentiert in der MEGA veröffentlicht worden war, ignorierte die Marxforschung jeder ideologischen Provenienz weitgehend deren umfangreichsten Teil, das Stirner-Kapitel »Sankt Max«, und bekräftigte wieder und immer wieder, nur das relativ schmale Feuerbach-Kapitel sei philosophisch von Belang. So dauerte es einige Jahrzehnte, bis ein Autor sich erneut und - ohne Wissen um Adlers Bemühen - mit Pioniergeist intensiv mit dem Verhältnis Marx/Stirner auseinandersetzte. Henri Arvon (1914-1992), aus Deutschland stammend, seit 1933 in Frankreich lebend, hat Stirner, wie er sagte, "lebenslange Studien gewidmet". (4) Seine zahlreichen Schriften können hier nicht gesichtet werden. Ein Blick auf eine Debatte unter Fachleuten vermag die Szenerie ohnehin besser zu erhellen als die Analyse wohlberechnet gesetzter Worte.

Vom 5.-8. September 1973 fand, etwas verspätet zum 100. Todesjahr Ludwig Feuerbachs, in Bielefeld ein Kongress über diesen Philosophen statt, der sich nach Einschätzung seiner Organisatoren, der Universitätsphilosophen Hermann Lübbe und Hans-Martin Sass, durch "das hohe Mass an Kennerschaft" der 36 Teilnehmer auszeichnete, die -- als Marxisten oder Theologen, Philosophen oder Soziologen -- aus Staaten beiderseits des "Eisernen Vorhangs" zusammengekommen waren. (5) Ein Teilnehmer zumindest bewies jedoch ein Mass an Kennerschaft, das für einige Irritation unter den anderen Kennern sorgte: eben jener französische Philosophieprofessor Henri Arvon, und zwar damit, dass er in seinem Beitrag (6) die von Engels in seinem Buch »Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie« dargestellte und später von Marxisten und Nichtmarxisten gleichermassen quasi kanonisierte Version der Entstehung des historischen Materialismus akribisch untersuchte und dabei allerlei Retuschen zu Tage förderte: Retuschen, die allesamt dem Ziel dienten, die entscheidende Rolle, die Stirners »Einziger« in diesem Prozess spielte, zu eskamotieren; Retuschen von Fakten, die, obwohl offen zu Tage liegend, von der Marxforschung aller weltanschaulichen Richtungen bisher nicht wahrgenommen oder vielmehr geflissentlich übergangen worden waren.

In der sich an Arvons Beitrag anschliessenden Diskussion sprach Sass die denkwürdigen Worte: "... und Engels hat Prinzipien, Argumentationsmethoden und Gewichtungen hereingebracht, die durch noch so subtile philosophie-historische Forschung, wie Sie, Herr Arvon, sie treiben, leider nur durch Jahrzehnte langsam in Bewegung gebracht werden können, wenn überhaupt. Es gibt nur ganz wenige Schriften in der abendländischen Philosophie- und Geistesgeschichte, die so schlagende Wirkung gehabt haben wie die von Engels." (7)

Man spürt noch durch die redigierte Fassung der gesprochenen Worte hindurch den gereizten, leicht ironischen Ton von Sass und nimmt ihm sein Bedauern über diese Kanonisierung einer entscheidenden Episode der Philosophiegeschichte nicht so recht ab. Tatsächlich hat Sass weder damals noch später -- als Philosophieprofessor, als Autor zahlreicher einschlägiger Schriften, als international anerkannter Feuerbach-Experte und langjähriger Präsident der "Internationalen Gesellschaft der Feuerbach-Forscher" -- etwas getan, um die von Arvon angestrebte ideengeschichtliche Revision zu fördern. Im Gegenteil: Sass, ein Mann mit theologischem Hintergrund, war in dieser Frage stets einig mit seinen Kollegen, auch den marxistischen, dass der status quo  erhalten bleibe.

Dabei hatte Arvon das Thema, über dessen Brisanz er sich zu jenem Zeitpunkt, also nach der Althusser-Diskussion um den "epistemologischen Bruch" bei Marx, nicht im Unklaren war, mit äusserster Behutsamkeit zur Sprache gebracht. Er zieh Engels keineswegs der absichtlichen Entstellung historischer Vorgänge; er lobte, dass Engels' Text, vierzig Jahre nach den Ereignissen, noch die ganze Frische seiner und Marx' Sturm- und Drangzeit vermittele; er bedachte, dass Engels mit dem Text 1886 aktuelle politische Absichten verfolgt habe etc. Aber die unbezweifelbaren Fakten, die Chronologie der Ereignisse, möge man bitte nicht weiter ignorieren, und sie sagten nun einmal zweifellos: "Stirner hat ihn [Marx] zu diesem Übergang zum historischen Materialismus sozusagen gezwungen." Dann sei Marx, beeilte sich Arvon zu versichern, "natürlich viel weiter" gegangen als Stirner. (8)

Doch diese und ähnliche Beteuerungen nützten Arvon wenig: die Einheitsfront gegen ihn aus Christen, Marxisten und Vertretern aller sonstigen Richtungen stand. Er hatte offenbar an ein Tabu gerührt, den ubiquitären Bann über Stirner missachtet; und wenn er dies auch sozusagen in aller Unschuld und mit bescheidenem Anspruch getan hat, so hat er die Macht dieses Banns verkannt, der jeden Ausbruchsversuch scheitern lässt, der nicht auf's Ganze geht.

Dabei stand Arvon, wie seine sonstigen Arbeiten zu Stirner zeigen, selbst zeitlebens unter der lähmenden Einwirkung des Bannes. Deshalb sah er Stirner "an den Ursprüngen des Existentialismus" und legte ihn als "Vorgänger Heideggers" sozusagen ad acta.  Deshalb haben der hinhaltende Widerstand und die punktuell aufbrechenden vehementen Reaktionen der Experten (auf seinen Versuch, ein paar historische Details zur Geltung zu bringen) ihn auch nicht in die Lage versetzt, den Bann als solchen wahrzunehmen oder gar denkerisch zu durchbrechen. Wenn Stirner, so sehr er ihn faszinierte, kein Denker vom Schlage eines Marx oder Heidegger war - und das war er gewiss nicht - dann konnte er in seinen Augen nur noch ein mehr oder weniger bedeutender Anreger und Vorläufer sein.

1.3 Wolfgang Essbach

Wolfgang Essbach (1944-....) legte 1978 eine Dissertation (9) vor, in der es ihm darum geht, nach einer Würdigung der Arbeiten von Adler, Arvon und anderen Autoren, "die Spezifität und das Ausmass des Stirner'schen Einflusses auf Marx und Engels zu präzisieren" -- aber, wie sich herausstellt, dann doch noch um etwas mehr. Essbach weist einleitend auf einige Besonderheiten der bisherigen Stirner-Rezeption hin, z.B. auf "das seltsame Phänomen, dass bei vielen Autoren ein Zusammenhang mit Stirner'schen Auffassungen vermutet werden kann, dass aber in geradezu typischer Weise eine explizite positive Bezugnahme auf Stirner entweder ganz vermieden wird oder nur eine beiläufige Erwähnung Stirners aufzufinden ist"; oder darauf, "dass in der gegenwärtigen Diskussion über die genannten Problemzonen [des Marxismus] ... unverhältnismässig selten auf die Kontroverse zwischen Stirner, Marx und Engels Bezug genommen wird, obwohl gerade dieser Bezug an sich sehr nahe läge." (10) Damit sind -- cum grano salis  -- die beiden Charakteristika der Reaktionen auf Stirner angesprochen, die ich oben und andernorts als primäre und sekundäre Verdrängung bezeichnet habe.

Doch auch Essbach steht unter dem grossen Bann, und deshalb sieht er zwar sehr viel, aber eines nicht, das für seine Untersuchung Zentrale: dass auch und gerade von Marx eine "Bezugnahme auf Stirner ... vermieden wird" (ein Faktum, dem durch das unveröffentlichte Manuskript »Sankt Max« noch ein besonderes Gewicht verliehen wird). Schon im Titel seiner Untersuchung fingiert Essbach eine "Kontroverse zwischen Karl Marx, Friedrich Engels und Max Stirner", und er wiederholt diese formelhafte Wendung im Text immer und immer wieder, so dass man sich dem Eindruck kaum entziehen kann, diese beschwörerische Rede habe die (auto-)suggestive Funktion, sich und den Leser von dem einen, zur Beurteilung des Ganzen grundlegenden Gedanken fernzuhalten, dass es -- diese "Kontroverse" ja gar nicht gab, und zwar deshalb nicht gab, weil Marx sie letztlich hintertrieben hat (der komplizierte Vorgang muss hier unerörtert bleiben). Essbach, der sonst mit aussergewöhnlicher Detailkunde brilliert, geht über diesen Kardinalpunkt in auffälliger Flüchtigkeit -- flüchtig und flüchtend -- hinweg: "Die beabsichtigte Veröffentlichung [von »Sankt Max«] scheiterte." (11)

Essbach sagt einleitend, dass "nicht vorab von einem Standpunkt ausgegangen werden kann, demzufolge Marx und Engels Stirners Auffassungen überwunden haben." Dies ist ein Satz, der leicht zu überlesen ist, zumal er mit der Wendung beginnt: "Es versteht sich von selbst, dass..." (12) Die Crux ist, dass diese Regel zwar banal klingt, aber eben, was Essbach weiss, von der Marxforschung durchgehend missachtet wurde. Warum? Dieser nächstliegenden Frage geht Essbach, dem Banne sich fügend, nicht weiter nach. Seinem auf den ersten Blick unscheinbaren Satz ist weiterhin zu entnehmen, dass er meint, Marx und Engels hätten Stirners Auffassungen nicht  überwunden - denn warum sollte man von einem gesicherten Bestand nicht "vorab" ausgehen? Welch ein Verdikt über die Marxforschung! Aber wie verborgen, verklausuliert und implizit! Da verwundert nicht mehr, dass Essbach auch sein Fazit enigmatisch und "diplomatisch" zugleich formuliert: es gäbe bei Marx den "Materialismus der Verhältnisse" und bei Stirner den "Materialismus des Selbst": "Beide Auffassungen stehen im Verhältnis der Heterologie zueinander. Ihre Spezifität kann nur in Koexistenz erhalten werden." (13)

Essbach steht auf den Schultern von Arvon und Adler und schwankt: zwischen der "Rehabilitierung" Stirners als des entscheidenden Einflusses auf Marx -- was er sogleich durch die gequält ironische Rede von Stirner als der "bösen Fee" an der Wiege des historischen Materialismus konterkariert -- und dem weitergehenden, nicht klar als solchen bezeichneten Versuch, Stirner als "psychologisches" Pendant sozusagen auf Augenhöhe neben den "soziologischen" Marx zu stellen -- was er gleichermassen ironisierend konterkariert, wenn er von der "anerkanntermassen dunklen Weise des Stirner'schen Denkens" spricht. (14) Man spürt förmlich, wie er sich unter dem Zwang des Bannes windet, ihm aber nicht zu entkommen vermag.

Essbach liess seine Doktorarbeit vier Jahre später als Buch drucken -- unverändert. (15) Im Vorwort zu dieser Ausgabe schreibt er forsch: "Das vorliegende Buch über Stirner und Marx wäre nicht geschrieben worden, wenn ich den etablierten wissenschaftlichen und politischen Auffassungen hätte vertrauen können." Zugestanden: er hatte zwar, offenbar von einer gar nicht so seltenen Stirner-Faszination beflügelt, eine Zeit lang "Forschung gegen den Strom" getrieben, wie er sagt; aber der Strom, der mainstream,  nahm ihn bald wieder auf. Dem Bann über Stirner vermochte er sich nur temporär und partiell zu entziehen. In seiner Habilitationsschrift über die Junghegelianer (16) depotenzierte er Stirner, fast schon konventionell, auf einen mehr oder weniger wichtigen "Einfluss" auf Marx, Nietzsche, diverse Existentialisten, Sprachphilosophen, Bohemiens etc. Die akademische Karriere war für Essbach das Sedativum, das die "tiefgreifende Beunruhigung" durch Stirner, die er Marx attestiert und wohl auch an sich erfahren hat, betäubte.

1.4 Daniel Joubert

Vor kurzem erschien nun wiederum ein Buch, das Licht auf das Verhältnis Marx' zu Stirner zu werfen versprach: »Marx versus Stirner« von Daniel Joubert, in französischer Sprache. (17) Es lockt zunächst mit einer originellen Titelgraphik, die zwei athletische Männer mit leicht zurückgeneigten, nackten Oberkörpern sich gegenüber stehend zeigt, die Fäuste erhoben, die Blicke aufeinander fixiert: Buchtitelseite Daniel Joubert, Marx versus Stirner links Marx mit Vollbart, rechts Stirner mit Nickelbrille, beide also, wie man sie kennt, allerdings, warum auch immer, Marx (der "Mohr") mit heller, Stirner mit dunkler Haut. Zwischen und hinter beiden steht ein schnauzbärtiger Ringrichter, eine Witzfigur mit einem länglichen Gegenstand zwischen den gebleckten Zähnen und schielendem Blick, auf dem Kopf eine Pelzmütze mit Sowjetstern. Schlägt man das Buch auf, erfährt man als erstes, dass letzterer der Autor höchstpersönlich ist, denn er posiert auf den Umschlaginnenseiten mit schätzungsweise zweihundert (200) in Fotoautomaten selbst erzeugten Grimassenporträts.

Das Buch ist ausserdem ein Doppelband, seitenverkehrt zusammengebunden mit einem lustigen »Petit Joubert Illustré«, betitelt »le fantôme de l'opéré«, voller graphischer und textlicher Spässe, deren Qualität ich hier nicht beurteilen will. Dieser Band aus zweimal knapp 100 Seiten, auf kostbares Papier gedruckt, entstand dem Vernehmen nach kurz vor dem frühen Tod des Autors, dessen Ursache mir nicht bekannt ist. Die gesamte Aufmachung ist also nicht, jedenfalls nicht nur, als eine Massnahme des Verlages anzusehen, um den Marx/Stirner-Text -- warum auch ? -- einem vulgärhedonistischen, spassbesessenen Publikum anzudienen. Sie scheint vielmehr so etwas wie das literarische Testament des Autors zu sein, in seiner verzweifelten Lustigkeit trauriges Zeugnis seiner mentalen Verfassung zwei Jahrzehnte nach Abfassung des Textes. Denn diesen hat er, was erst aus dem längeren Vorwort des Verlegers zu erfahren ist, bereits 1975 geschrieben -- und damals auch, wie ich hinzufügen möchte, in einem seriösen Sammelband veröffentlicht. (18). Joubert schrieb für den Neudruck eine kurze, auf den Oktober 1990 datierte Vorbemerkung anlässlich des Zusammenbruchs des Sowjetblocks, liess den Text aber unverändert.

Jouberts Aufsatz ist natürlich nicht so breit angelegt wie Essbachs Dissertation, steht aber, dank seiner Rezeption Arvons, in Hinblick auf die kritische Haltung gegenüber der kanonisierten Lehrmeinung über Marx' Weg zum historischen Materialismus ungefähr auf deren Höhe. Auch Joubert spricht -- wie Essbach von der "Kontroverse" -- von einer "querelle" Marx-Stirner, auch er kolportiert ohne jede Kritik, ohne jeden Verdacht, die Geschichte, wonach Marx lange, intensiv und letztlich doch vergeblich nach einem Verleger für den »Sankt Max« gesucht habe. Joubert versucht zwar Stirners Schweigen nach 1846, das "so bequem für Marx und die Marxisten" sei, zu interpretieren, nicht aber Marx' sehr viel bedeutsameres, selektives, durch andere öffentliche Polemiken übertöntes und deshalb instruktiveres Schweigen; er rührt dementsprechend natürlich auch nicht an jene später von Marx selbst gestiftete, meist als "humorig" aufgenommene Legende, derzufolge er -- nachdem der ohnehin nur aus Übermut so lang gewordene »Sankt Max« seinen Hauptzweck, nämlich "Selbstverständigung", erfüllt gehabt habe -- das unpublizierbare Manuskript mit Freuden "der nagenden Kritik der Mäuse" überlassen habe. (19)

Das Titelbild des Joubert'schen Buches transportiert also, sieht man von seiner Spassigkeit einmal ab, durchaus die ungeprüft zu Grunde gelegte Voraussetzung des Autors: es habe eine "querelle", eine Auseinandersetzung, einen Kampf zwischen Marx und Stirner gegeben. Aber Marx hat sich einem Kampf, jedenfalls einem offenen, fairen und argumentativen Wettstreit der Ideen, nie gestellt. Ihm war bei aller intellektuellen Eitelkeit bald klar, dass er in diesem Falle nur mit anderen Methoden siegreich sein wird. Das Faktum ist so unübersehbar, dass selbst ein enthusiastischer Marxist wie der als Stirnerfresser berüchtigte Hans G. Helms (1932-....) von einem "nicht immer widerspruchsfreien Verhalten [Marx'] Stirner gegenüber" (20) zu sprechen sich abrang -- was natürlich als eine euphemistische Klausel für einen gravierenden Vorgang zu verstehen ist. Auf den Grund gegangen ist diesem Verhalten weder Helms noch irgendein anderer Marxist noch die wenigen anderen Experten, die es -- ausser den hier besprochenen -- bemerkt zu haben scheinen, wie etwa Nikolaus Lobkowicz (1931-....) als alteuropäisch-katholischer oder David McLellan (1940-....) als anglo-liberalistischer Marxforscher. Dass letztere ihre Funde zu Marx' Verhalten gegenüber Stirner nicht oder nur zögerlich im ideologischen Kampf gegen den Marxismus eingesetzt haben, (21) verweist auf die umfassende Macht des unausgesprochenen und deshalb so unangefochtenen Banns über Stirner. Es ist an der Zeit, ihn zu brechen.


Teil 2: Stirner - Nietzsche - Nietzscheforschung


Anmerkungen:

(*) Daniel Joubert: Marx versus Stirner. Paris: L'insomniaque [déc.] 1997
Arno Münster: Nietzsche et Stirner, suivi de Nietzsche-Immoraliste? Paris: Éditions Kimé [3e trim.] 1999

(1) vgl. meine »Stirner-Studien«: Band 1: Ein heimlicher Hit. Nürnberg: LSR-Verlag 1994; Band 2: Ein dauerhafter Dissident. Nürnberg: LSR-Verlag 1996; Band 3: "Katechon" und "Anarch". Nürnberg: LSR-Verlag 1997

(2) Bernd A. Laska: Dissident geblieben. Wie Marx und Nietzsche ihren Kollegen Max Stirner verdrängten und warum er sie geistig überlebt hat. Ein Versuch über philosophische Konsequenz in der Aufklärung. In: DIE ZEIT, 27. Januar 2000, S. 49

(3) Bernd A. Laska: Ein dauerhafter Dissident. 150 Jahre Stirners »Einziger«. Eine kurze Wirkungsgeschichte. Nürnberg: LSR-Verlag 1996. S. 60-62 (Einzelnachweise dort)

(4) Atheismus in der Diskussion. Kontroversen um Ludwig Feuerbach. Hg. v. Hermann Lübbe und Hans-Martin Sass. München: Chr. Kaiser / Mainz: Matthias Grünewald 1975. S. 144

(5) Referate und Diskussionen sind dokumentiert in: Atheismus..., a.a.O.

(6) Henri Arvon: Engels' Feuerbach kritisch beleuchtet. In: Atheismus... , a.a.O., S. 109-119

(7) Atheismus..., a.a.O., S. 145 f

(8) Atheismus..., a.a.O., S. 109f, 144

(9) Wolfgang Essbach: Die Bedeutung Max Stirners für die Genese des historischen Materialismus. Zur Rekonstruktion der Kontroverse zwischen Karl Marx, Friedrich Engels und Max Stirner. Dissertation Göttingen 1978; Buchausgabe u.d.T.: Gegenzüge. Der Materialismus des Selbst und seine Ausgrenzung aus dem Marxismus. Eine Studie über die Kontroverse zwischen Stirner und Marx. Frankfurt/M: Materialis-Verlag 1982.

(10) ebd., S. 5, 29; S. 14, 10

(11) ebd., S. 17

(12) ebd., S. 8

(13) ebd., S. 228

(14) ebd., S. 5, 10, 26

(15) siehe (9)

(16) Wolfgang Essbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe. München: Wilhelm Fink 1988

(17) Daniel Joubert: Marx versus Stirner. Paris: L'insomniaque 1997

(18) Daniel Joubert: Karl Marx contre Max Stirner. In: Diederik Dettmeijer (éd.): Max Stirner ou la première confrontation entre Karl Marx et la pensée anti-autoritaire. Lausanne (CH): L'Age d'Homme 1979. pp. 181-219

(19) wie (17), pp. 29, 31, 96

(20) Hans G. Helms: Die Ideologie der anonymen Gesellschaft. Köln: Verlag DuMont Schauberg 1966, S. 502

(21) Man vergleiche die Unterschiede in den Darstellungen der Rolle Stirners, die die Autoren zu verschiedenen Zeiten und Anlässen geben:

Nikolaus [Nicholas] Lobkowicz: Karl Marx and Max Stirner. In: Demythologizing Marxism (ed. Frederick S. Adelmann SJ). Boston (USA) 1969, pp. 64-95 (auf Arvon aufbauend); ders.: Von Hegel zu Marx. In: Venanz Schubert (Hg.): Karl Marx. Sankt Ottilien: EOS-Verlag 1984. S. 65-97 (Stirner nicht einmal mehr genannt);

David McLellan: The Young Hegelians and Karl Marx. London: Macmillan 1969 (dt. 1974) (auf Arvon aufbauend); ders.: Karl Marx. A Biography. London: Macmillan 1973 (dt. 1974) (Stirner auf konventionelle Weise kurz erwähnt); ders.: Stirner and the origins of Marx's historical materialism. In: Max Stirner e l'individualismo moderno. Atti del convegno, a cura di Enrico Ferri. Napoli: CUEN 1996. pagg. 27-35 (wo es wiederum heisst, der historische Materialismus als Basis der Marx'schen Lehre sei als direkte Reaktion Marx' auf Stirners »Einzigen« entstanden)


Teil 2: Stirner - Nietzsche - Nietzscheforschung

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